Die Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED)

 

Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung

Die Wahl der richtigen Therapie bei einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung ist häufig eine sehr individuelle Entscheidung. Jeder Patient hat einen anderen Krankheitsverlauf und unterschiedliche Bedürfnisse. Klinische Faktoren wie Krankheitsaktivität oder Begleiterkrankungen müssen bedacht werden, aber auch soziale Aspekte spielen eine entscheidende Rolle.

 

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Was sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)?

Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED). Beide Erkrankungen verlaufen typischerweise in Krankheitsschüben, die sich mit Phasen der Remission abwechseln. In Europa liegt der Anteil an Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) zwischen 20 und 240 pro 100.000 Einwohnern.1 An Morbus Crohn leiden in Deutschland etwa 6 Menschen pro 100.000 Einwohner, an Colitis ulcerosa ca. 4 pro 100.000 Einwohner.2 Männer und Frauen scheinen etwa gleich häufig betroffen zu sein.3 Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) treten erstmals meist zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr auf.2,4

Insgesamt leiden ca. 320.000 Erkrankte in Deutschland an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa – Tendenz steigend5

 

Welche Symptome treten bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa auf?

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa weisen einige Gemeinsamkeiten auf. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) traten die klinischen Leitsymptome abhängig von den befallenen Bereichen des Darms auf.4


Folgende Leitsymptome sind häufig:4,6

  • wiederkehrende Durchfälle
  • abdominelle Schmerzen
  • Krämpfe und Übelkeit
  • Fieber und Müdigkeit
  • Mangelernährung/Anämie und Gewichtsverlust

Mögliche Symptome von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa6

 

Wie unterscheiden sich Colitis ulcerosa und Morbus Crohn?

Für die Colitis ulcerosa charakteristisch ist eine oberflächlich-mukosale bis submukosale Entzündung des Rektums (Mastdarms). Auch das Colon (Dickdarm) kann betroffen sein, meist in unterschiedlich starker Ausbreitung von distal (außen) nach proximal (innen).2 Leitsymptom der Colitis ulcerosa sind blutige, schleimige Durchfälle.6

Im Unterschied zur Colitis ulcerosa können bei Morbus Crohn prinzipiell alle Abschnitte des Verdauungstrakts entzündet sein, wobei verschiedene Bereiche gleichzeitig betroffen sein können.2 Am häufigsten tritt Morbus Crohn jedoch zwischen Dünn- und Dickdarm auf, dem terminalem Ileum.2 Patienten mit Morbus Crohn klagen meist über unblutige, chronische Durchfälle. Zudem haben sie im Unterschied zu Patienten mit Colitis ulcerosa häufig Fisteln, vor allem im Analbereich.4

die Lokalisation von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa - Grafik

Unterschiedliche Lokalisationen von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

 

Morbus Crohn im Überblick

  • Chronisch-entzündliche Erkrankung des Verdauungstraktes
  • Die Entzündung kann Abschnitte vom Mund bis zum After b
  • Gesunde und erkrankte Abschnitte wechseln sich ab
  • Es gibt verschiedene Auslöser der Erkrankung
  • Schleimhautbarriere und Prozesse der normalen Immunantw
  • Krankheitsverlauf in Schüben
  • Häufiges Auftreten von Fisteln

 

 

Colitis ulcerosa im Überblick

  • Chronisch-entzündliche Erkrankung des Dickdarms
  • Die Entzündung kann sich ausgehend vom Enddarm kontinuierlich auf den gesamten Dickdarm ausbreiten
  • Es gibt verschiedene Auslöser der Erkrankung
  • Schleimhautbarriere und Prozesse der normalen Immunantwort sind gestört
  • Krankheitsverlauf in Schüben
  • Leitsymptom sind blutig-schleimige Durchfälle

 

 

Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) handelt es sich um Systemerkrankungen, bei denen auch Organe außerhalb des Gastrointestinaltrakts befallen sein können. Extraintestinale Manifestationen treten bei Morbus Crohn häufiger auf als bei Colitis ulcerosa.8 Dazu zählen6:

 

Begleitet werden können die beiden Erkrankungen auch durch Komplikationen.2,9

Morbus Crohn:
Fisteln
Abzesse
Stenosen/Strikturen
Perforation

Colitis ulcerosa:
Blutung
Karzinom
Strikturen
Perforation
Toxisches Megakolon

 

Die Pathogenese von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED)

Die genauen Ursachen von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind noch ungeklärt. Allerdings hat sich das Verständnis über diese Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. So geht die Forschung davon aus, dass die Pathogenese ein multifaktorielles Zusammenspiel von genetischen, epigenetischen, immunologischen und mikrobiellen Mechanismen ist.10

Charakteristisch für beide Erkrankungen ist, dass das Immunsystem seine Toleranz gegenüber der normalen Darmflora verloren hat. Das „Warum“ ist bislang ungeklärt.10  Mehr als 160 Gene sind in die Pathogenese der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) involviert, die auf komplexen immunologischen Faktoren zu beruhen scheint.10


Mögliche Ursachen für den Toleranzverlust:

  • Genetische Prädisposition: hat bei Morbus Crohn eine größere Bedeutung als bei Colitis ulcerosa.9
  • Ungleichgewicht zwischen symbiotischen und pathologischen Mikroorganismen im Darm, sog. Dysbiose: Das mukosale Immunsystem reagiert stärker.11
  • Fehlerhafte Immunreaktionen können zu einer mukosalen Dysbiose führen.12
  • Erhöhte Permeabilität der Darmwand: kann genetisch bedingt sein13 oder durch übermäßige Immunreaktionen verursacht werden.14 In der Folge können Mikroorganismen vermehrt das Darmepithel passieren und lösen dort weitere Immunreaktionen aus.13

Pathogenese von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen - Grafik

Die Pathogenese chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) ist ein multifaktorielles Zusammenspiel10

 

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Interview mit PD Dr. Irina Blumenstein

Erfahren Sie mehr über die Colitis ulcerosa und ihre Pathogenese im Interview mit PD Dr. Irina Blumenstein:

PD Dr.  Irina Blumenstein im Videointerview

Auswirkungen auf die Lebensqualität

Sowohl für die Patienten, als auch für ihre Angehörigen, bringt das Leben mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Herausforderungen auf körperlicher, emotionaler und sozialer Ebene mit sich. Eine ausgeprägte Symptomatik kann die Lebensqualität betroffener Patienten erheblich beeinträchtigen und sie emotional stark belasten. Viele Patienten spüren selbst in Remission regelmäßig Krankheitssymptome. Insbesondere während eines Krankheitsschubes leiden Patienten unter häufigen Stuhlgängen sowie unter Bauch- und Gelenkschmerzen. Sie fühlen sich müde und antriebslos, was sich negativ auf ihren Alltag auswirken kann. Da der Krankheitsverlauf und das Auftreten von Schüben für die Patienten in der Regel nicht vorhersehbar ist, kann dies ebenfalls die Lebensqualität beeinträchtigen.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) können die Lebensqualität der Patienten stark einschränken. Die Mehrzahl der Patienten erhält die Diagnose vor dem 40. Lebensjahr.4

Die meisten Neuerkrankungen treten zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr auf. Jeder fünfte Morbus Crohn-Patient ist sogar jünger als 20 Jahre.4 Das heißt, die Patienten befinden sich gerade in einer Lebensphase, in der sie sich vom Elternhaus lösen, Ausbildung oder Studium beginnen sowie im Beruf Fuß fassen oder eine Familie gründen möchten. Durch die Erkrankung ist ihr Alltag jedoch oft weniger planbar: Es ist schwieriger, an sozialen Aktivitäten teilzunehmen, Termine müssen krankheitsbedingt verschoben werden und im Beruf fühlen sich die Patienten zusätzlich unter Druck gesetzt oder in ihrem Karriereweg beeinträchtigt.

Zudem sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen noch immer ein Tabuthema. Die Betroffenen haben Hemmungen, offen mit ihren Angehörigen, Freunden oder Kollegen über ihre Erkrankung und deren Folgen zu sprechen. Auch das kann sich negativ auf Privat- und Berufsleben auswirken.

Zu diesen Themen bieten wir auf unserem Patientenportal www.meineCED.de weitere Informationen und Hilfestellungen für Patienten an.

Interview mit PD Dr. Irina Blumenstein

PD Dr. Irina Blumenstein berichtet im Interview, was die chronischen Entzündungen häufig für das Leben von Patienten mit Colitis ulcerosa bedeuten können:

PD Dr.  Irina Blumenstein im Videointerview

 

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Quellen

  1. Loftus EV, Gastroenterology 2004;126:1504-1517.
  2. Atreya R et al., Dtsch Med Wochenschr 2015;140:1762–1772.
  3. Rubin GP et al., Aliment Pharmacol Ther 2000;14:1553-1559.
  4. Preiß JC et al., Aktualisierte S3-Leitlinie Morbus Crohn, AWMF-Registriernummer: 021–004, Z Gastroenterol 2014; 52:1431–1484; doi.org/10.1055/s-0034-1385199.
  5. Bokemeyer B, Gastroenterologe 2017;6:447-455; doi.org/10.1007/s11377-007-0113-6.
  6. Kucharzik T et al., Aktualisierte S3-Leitlinie Colitis Ulcerosa AWMF-Register-Nr. 021/009, Z Gastroenterol 2018;56:1087–1169; doi.org/10.1055/a-0651-8174.
  7. Amboss – Fachwissen für Mediziner: Morbus Crohn, Stand Juni 2019, amboss.com/de/wissen/Morbus_Crohn, letzter Zugriff Juni 2019.
  8. Harbord M et al., Journal of Crohn‘s and Colitis 2016;239-254; doi.org/10.1093/ecco-jcc/jjv213.
  9. Wehkamp J et al., Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 72–82; doi.org/10.3238/arztebl.2016.0072.
  10. Sartor RB et al., Gastroenterology 2017;152:327-339 e324.
  11. Wallace KL et al., World J Gastroenterol 2014;20:6-21.
  12. Basso PJ et al., Front Pharmacol 2018;9:1571.
  13. Podolsky DK, N Engl J Med 2002;347:417-429.
  14. Round JL et al., Nat Rev Immunol 2009;9:313-323.
  15. Neurath MF, Nat Rev Immunol 2014;14:329-342.

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