DAS OVARIALKARZINOM

Das Ovarialkarzinom – Wissenswertes zu Häufigkeit, Symptomen, Diagnose und Therapiemöglichkeiten

 

Was ist das Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs)?

Das Ovarialkarzinom ist eine bei Frauen selten auftretende Krebserkrankung eines Ovars oder beider Ovarien (Eierstöcke). Spezifisch ist hier die zunächst unkontrollierte Vermehrung bösartiger Eierstockzellen und die damit verbundene Tumorbildung. Da das Karzinom im frühen Stadium in den freien Bauchraum wachsen kann und so in der Regel noch keine Symptome ausbildet, erfolgt die Diagnose häufig erst im fortgeschrittenen Stadium. Erste Symptome treten meistens erst dann auf, wenn sich die Krebszellen in benachbarte Organe ausgebreitet haben (z. B. in Becken- und Bauchraum oder Eileiter).

 

Zahlen zum Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs) in Deutschland

In Deutschland erkranken jährlich mehr als 7.000 Frauen an Eierstockkrebs.1

Damit ist das Ovarialkarzinom die zweithäufigste maligne Erkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane.2 Dennoch besteht im Vergleich zu anderen Krebsarten ein geringes Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken. Nur bei 3 % aller jährlich neu diagnostizierten Krebserkrankungen handelt es sich um ein Ovarialkarzinom.2 In den letzten beiden Jahrzehnten war die Erkrankungsrate außerdem zunehmend rückläufig.2 Das Risiko für die Entstehung von Tumoren in den Eierstöcken steigt mit zunehmendem Alter an und das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 68 Jahren.2 Ungefähr 75 % der Fälle werden erst in einem späten Stadium diagnostiziert.2

 

Ovarialkarzinom: Ursachen und Risikofaktoren

Eierstockkrebs lässt sich meist nicht auf eindeutige Ursachen zurückführen. Eine Reihe von Risikofaktoren kann die Entstehung eines Ovarialkarzinoms allerdings begünstigen. Dazu gehört die familiäre Disposition, d. h. die Erkrankung naher Verwandter wie der Mutter oder der Schwester an Brust-, Gebärmutter- oder Eierstockkrebs. Frauen mit Vorerkrankungen wie Zysten eines Ovars oder Endometriose haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für ein Karzinom der Eierstöcke.

Das Risiko für ein Karzinom steigt außerdem mit zunehmendem Lebensalter. Übergewicht, Rauchen und Bewegungsmangel sind weitere begünstigende Faktoren. Kinderlosigkeit, Unfruchtbarkeit, eine frühe Menstruation oder späte Menopause können sich ebenfalls negativ auf das Erkrankungsrisiko auswirken.

Bei 10 % der Patientinnen spielen genetische Faktoren eine entscheidende Rolle für die Entstehung eines Karzinoms.3 Das Erkrankungsrisiko für Patientinnen mit einer Mutation in BRCA1 (Breast Cancer Gene 1) liegt bei fast 40 %, bei einer Mutation in BRCA2 bei bis zu 22 %.4 Wird bei gesunden Frauen mit Verdacht auf erblich bedingte Genmutationen bei einem Gentest eine BRCA1/2-Mutation festgestellt, kann eine prophylaktische beidseitige Salpingo-Ovarektomie (operative Entfernung beider Eierstöcke) das Risiko für ein Ovarialkarzinom um 80 % senken.4

 

Ovarialkarzinom: Symptome

Da der Tumor zu Beginn ausreichend Platz in Becken und Bauchhöhle hat, entwickeln Patientinnen im frühen Stadium meist noch keine Symptome und das Ovarialkarzinom bleibt daher zunächst oftmals unentdeckt. Erst in späteren Stadien kann sich der Tumor auf den Eileiter ausbreiten oder können in benachbarten Organen wie Becken- und Bauchraum Metastasen entstehen und unbestimmte Symptome verursachen.
Bei Frauen – vor allem ab 50 Jahren –, die häufiger unter folgenden Beschwerden leiden, kann Eierstockkrebs eine mögliche Ursache sein:3

  • Verdauungsbeschwerden
  • Völlegefühl
  • Blähungen
  • Verstopfung
  • Unerklärliche Gewichtsabnahme
  • Zunahme des Bauchumfangs
  • Blutungen außerhalb der Regelblutung oder nach den Wechseljahren
  • Unklare Bauchschmerzen
  • Anhaltende Schmerzen im Becken
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Müdigkeit/Erschöpfung
  • Häufigeres Wasserlassen

 

Ovarialkarzinom: Diagnostik und Früherkennung

Besteht der Verdacht auf ein Ovarialkarzinom, stehen für die Diagnostik verschiedene Verfahren zur Verfügung. Der wissenschaftliche Nachweis über die Senkung der Sterblichkeit durch ein generelles Screening zur Früherkennung des Ovarialkarzinoms konnte bisher nicht erbracht werden.4

Im ersten Schritt wird in der Regel die gynäkologische Spiegel- und Tastuntersuchung durchgeführt. Das Abtasten von Bauchdecke und Vagina bietet ersten Aufschluss über mögliche Veränderungen des Ovars. Die Spiegeluntersuchung dient der Kontrolle der inneren Geschlechtsorgane.

Die Transvaginalsonographie ergänzt die gynäkologische Spiegel- und Tastuntersuchung. Die Ovarien lassen sich sonographisch besonders genau untersuchen.

Ist mithilfe der Tast- und Spiegel- oder der sonographischen Untersuchung keine eindeutige Diagnose möglich, stehen weitere bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT), die Magnetresonanztomographie (MRT) oder die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zur Verfügung, mit deren Hilfe sich die Ausdehnung des Tumors genau lokalisieren oder vorhandene Metastasen feststellen lassen.

Wenn vorangegangene diagnostische Untersuchungen bereits eine Tumorbildung in den Eierstöcken erkennen lassen, bietet die diagnostische Operation bzw. das operative Staging Aufschluss, ob es sich um einen benignen (gutartigen) oder malignen (bösartigen) Tumor handelt und ob bereits andere Organe befallen sind. Nur das operative Staging kann eine verlässliche Bestätigung eines Ovarialkarzinoms und dessen Operabilität liefern. Darüber hinaus können hier bereits erste Behandlungsschritte erfolgen.

 

Ovarialkarzinom: Formen und Stadieneinteilung

Eine genaue Bestimmung von Form und Stadium des Tumors ist die Voraussetzung für eine individuell passende Therapie. Bei den Ovarialkarzinomen erfolgt die Einteilung nach Art der betroffenen Zelle.

Rund 90 % der malignen Eierstockkrebsfälle sind auf epitheliale Tumoren zurückzuführen.3 Die malignen Krebszellen entstehen hier aus dem Epithel der Eierstöcke. Unterformen des epithelialen Eierstockkrebses sind seröse, endometrioide, klarzellige oder muzinöse Tumoren. Die häufigste Form ist das seröse Ovarialkarzinom (HGSOC). Bei 50 % der betroffenen Frauen wird es durch BRCA (Breast Cancer Gene)-Mutationen verursacht.

Keimzelltumoren haben, wie der Name sagt, ihren Ursprung in den Keimzellen und treten meist bei jungen Frauen noch vor dem 20. Lebensjahr auf.5 Keimzelltumoren sind dennoch eine seltene Unterform, von der nur etwa jede zwanzigste Patientin mit malignem Ovarialkarzinom betroffen ist.3

Keimstrang-Stroma-Tumoren beginnen in den Bindegewebszellen und/oder hormonproduzierenden Zellen der Eierstöcke.5 Sie sind die Ursache für ca. 7 % der malignen Eierstockkrebserkrankungen. Das Alter der betroffenen Patientinnen liegt meistens zwischen 50 und 70 Jahren.5

Das während der diagnostischen Operation durchgeführte Staging des Ovarialkarzinoms beschreibt die örtliche Ausbreitung des Tumors, z. B. ob er auf ein Ovar begrenzt ist oder beide Ovarien betroffen sind, und ob bereits Metastasen in Lymphknoten oder Fernmetastasen in Knochen oder anderen Organen vorhanden sind.

Die Klassifikation des Ovarialkarzinoms erfolgt anhand der TNM-Kriterien. Eine weitere Option zur Einteilung der Krankheitsstadien ist die FIGO (Fédération Internationale de Gynécologie et d’Obstétrique)-Klassifikation, die sich auf die Ergebnisse der diagnostischen Operation sowie Laboruntersuchungen stützt und Ovarialkarzinome in die Stadien I bis IV einteilt.4

 

Therapie beim Ovarialkarzinom

Für die Therapie des Ovarialkarzinoms stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung. Welche Therapie im Einzelfall für die Patientin die richtige Behandlung ist, hängt vom Stadium des Ovarialkarzinoms und ob bereits Metastasen vorhanden sind, ab.

Ziel der Operation beim Ovarialkarzinom ist die vollständige Resektion des Tumors bzw. im fortgeschrittenen Stadium die makroskopische Komplettresektion des Tumors. Je nach Krankheitsstadium und Ausdehnung des Tumors werden dabei ein Eierstock oder beide Eierstöcke bzw. weitere befallene Organe wie Eileiter, Gebärmutter, Lymphknoten der Beckenregion oder Teile des Darms entfernt.  Oft erfolgt dieser operative Eingriff bereits im Rahmen des operativen Stagings.4

Eine Chemotherapie kann beim Ovarialkarzinom im Anschluss an eine Operation durchgeführt werden, um noch im Körper vorhandene Tumorzellen abzutöten. Diese kann als Monochemotherapie oder – vor allem bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom – als Kombination mehrerer Wirkstoffe gegeben werden.4

Eine zielgerichtete Antikörpertherapie mit einem VEGF-Inhibitor kann beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom zusätzlich zu einer Chemotherapie gegeben werden. Dieser soll gezielt durch Hemmung der Angiogenese (Neubildung von Blutgefäßen) die Versorgung der Tumorzellen verhindern.4

Bei Patientinnen mit einem fortgeschrittenen Ovarialkarzinom und nachgewiesener BRCA-Mutation kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Erhaltungstherapie mit einem PARP-Inhibitor durchgeführt werden.4

Eine Heilung eines Rezidivs des Ovarialkarzinoms ist in der Regel nicht möglich.3 Ziel der Therapie ist in diesem Fall das Wachstum des Tumors zu begrenzen, Symptome zu lindern und die Lebenserwartung zu verlängern. Welche Therapie durchgeführt wird, hängt davon ab, ob der Tumor auf eine Erstbehandlung mit einer platinhaltigen Chemotherapie angesprochen hat und in welchem Abstand das Rezidiv auftritt. Bei einem platin-sensitiven Ovarialkarzinom (Ansprechen auf platinhaltige Chemotherapie, Rezidiv frühestens 6 Monate nach Abschluss der Therapie) wird meist eine platinhaltige Kombinationstherapie durchgeführt. Anschließend kann gegebenenfalls eine Erhaltungstherapie mit einem PARP-Inhibitor gegeben werden.4

Bei einem platin-resistenten Ovarialkarzinom, bei dem das Rezidiv innerhalb von 6 Monaten nach der Erstlinientherapie auftritt, kommt in der Rezidivtherapie eine nicht-platinhaltige Monochemotherapie in Frage.4

Falls keine dieser Optionen in Frage kommt, wird meist eine Palliativtherapie durchgeführt.4

 

Ovarialkarzinom: Nachsorge

Ziele der Nachsorge beim Ovarialkarzinom sind, ein mögliches Rezidiv der Erkrankung frühzeitig zu erkennen und therapieassoziierte Nebenwirkungen zu behandeln. Außerdem gehören zur Nachsorge rehabilitative Maßnahmen, eine psychosoziale Betreuung sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität.4

Im Rahmen der Nachsorgeuntersuchungen wird eine körperliche Untersuchung inklusiver der gynäkologischen Spiegel- und Tastuntersuchung und rektaler Untersuchung durchgeführt. Außerdem umfassen die Kontrolltermine eine Vaginalsonographie. Die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen werden meist über einen Zeitraum von 5 Jahren durchgeführt.4

 

Ovarialkarzinom: Prognose und Verlauf

Prognose und Verlauf hängen beim Ovarialkarzinom davon ab, zu welchem Zeitpunkt Diagnose und Therapie erfolgen. Je früher, umso höher sind die Überlebenschancen der Patientinnen. Da die Symptome zu Beginn der Erkrankung eher unspezifisch sind und oft auch erst spät auftreten, wird bei rund 75 % der betroffenen Frauen die Krebserkrankung erst in einem fortgeschrittenen Stadium, wenn vielleicht schon Metastasen vorhanden sind, diagnostiziert.4 Eine Heilung ist jedoch auch dann noch möglich. Voraussetzung dafür ist die vollständige operative Entfernung des Ovarialtumors.

Die Prognose des Ovarialkarzinoms hängt von verschiedenen individuellen Faktoren wie Tumorstadium, Alter, Allgemeinzustand, postoperativer Tumorrest sowie leitliniengerechter Therapie ab. Die 5-Jahres-Überlebensrate kann je nach Stadium des Ovarialkarzinoms bis zu 89 % betragen. Insgesamt, d. h. über alle Stadien hinweg liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 43 %.2

 

Janssen in der Therapie des Ovarialkarzinoms

Krebspatienten bestmöglich in ihrer Therapie und der Bewältigung ihrer Erkrankung zu unterstützen sowie Ärzten effektive und innovative Behandlungsmöglichkeiten an die Hand zu geben, ist seit über 30 Jahren das Ziel unseres Engagements in der onkologischen Forschung, so auch bei der Therapie des Ovarialkarzinoms.

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Quellen

  1. Buttmann-Schweiger N, Kraywinkel K. Epidemiologie von Eierstockkrebs in Deutschland. Der Onkologe 2019;25:92-98.
  2. Krebs in Deutschland für 2015/2016. Robert Koch-Institut, Berlin 2019.
  3. Leitlinienprogramm Onkologie: Patientinnenleitlinie Eierstockkrebs, ein Ratgeber für Patientinnen, Stand: April 2018, Abrufbar unter: leitlinienprogramm-onkologie.de/patientenleitlinien/eierstockkrebs/ [Letzter Zugriff am 25.06.2020]
  4. Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren, Langversion 3.0, 2019, AWMF-Registernummer: 032/035OL. Abrufbar unter: leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/ovarialkarzinom/ [Letzter Zugriff am 25.06.2020]
  5. Online-Informationen der Thieme Fachcommunity für Geburtshilfe und Frauenheilkunde: Ovarialkarzinom. Abrufbar unter: gyn-community.thieme.de/wissen/evergreen/detail/das-ovarialkarzinom-a-37369 [Letzter Zugriff am 25.06.2020]


Zuletzt geändert am: 12.02.2021

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