Schizophrenie bzw. schizophrene Psychose

Die Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, die in allen Kulturen annähernd gleich häufig auftritt und Menschen jeder sozialen Schicht treffen kann. Die Lebenszeitprävalenz, also die Wahrscheinlichkeit, zu irgendeinem Zeitpunkt des Lebens an Schizophrenie zu erkranken, liegt zwischen 0,5 und 1%, die Angaben variieren je nach Studie.1 Das bedeutet, in Deutschland sind rund 800.000 Menschen von Schizophrenie betroffen; Frauen und Männer erkranken etwa gleich häufig, wobei Männer im Schnitt 3 bis 4 Jahre eher diagnostiziert werden als Frauen. Die ersten Anzeichen einer Schizophrenie treten typischerweise im frühen Erwachsenenalter auf, und zwar bei Männern zwischen dem 20. und 25. und bei Frauen zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr.2

Menschen mit Schizophrenie leiden an einem Realitätsverlust, der zu Halluzinationen, Wahnvorstellungen, gestörtem Denken und ungewöhnlichem Verhalten führen kann. Manche Betroffene verlieren den Bezug zur Realität fast vollständig. Schizophrenie kann heute gut behandelbar sein. Die Therapie einer Schizophrenie setzt sich aus einer individuell abgestimmten Kombination von medikamentöser Therapie, Psychotherapie und anderen therapeutischen Verfahren (Ergotherapie, Soziotherapie etc.) zusammen. Die Kombination dieser Methoden kann den Betroffenen ermöglichen, besser mit der Erkrankung umzugehen und ein weitgehend normales Leben zu führen.

Verlauf einer Schizophrenie

Genauso vielfältig wie das Krankheitsbild der Schizophrenie, ist auch der Beginn und Verlauf der Erkrankung. Sie kann plötzlich und akut ausbrechen oder sich schleichend entwickeln, was der Betroffene selbst meist gar nicht bemerkt.

In den meisten Fällen gibt es eine Vorphase (Prodromalphase), in der der Betroffene eine besondere emotionale Empfindlichkeit und Angespanntheit verspürt. Durch die immer stärker werdende Fehleinschätzung der Wirklichkeit (Wahnvorstellungen: krankhafte, in der realen Umwelt nicht zu begründende zwanghafte Vorstellung, Idee) wird er immer unsicherer und zieht sich sozial immer mehr zurück.

In der folgenden Phase treten die typischen Symptome (Verfolgungswahn, Stimmenhören etc.) immer häufiger auf – oft schubweise. Ein solcher akuter Schub ist durch Wahnvorstellungen und Halluzinationen, Unruhe und Erregung und oft auch Verhalten und Handlungen charakterisiert, die für Außenstehende unverständlich sind. Nach einem akuten Schub schwächen sich die Symptome meist wieder ab oder verschwinden ganz. Bleibt das Vollbild der Schizophrenie bestehen, spricht man von einer Chronifizierung.

Symptome der Schizophrenie

Wie bereits beschrieben, hat die Schizophrenie ein sehr komplexes und vielfältiges Erscheinungsbild. Jemand, der an Schizophrenie erkrankt ist, sieht die Welt mitunter anders als seine Mitmenschen. Möglicherweise leidet er oder sie unter Halluzinationen, das heißt, er oder sie kann Dinge hören, sehen, riechen oder fühlen, die andere nicht wahrnehmen. Solche „eingebildeten“ Wahrnehmungen gehören zu den typischen Symptomen der Schizophrenie, kommen aber auch bei anderen Erkrankungen vor. Menschen mit Schizophrenie können meistens nicht erkennen, dass die Erscheinungen, die sie wahrnehmen, nicht real sind. Das kann beim Betroffenen Ängste verursachen und ein für die Umwelt unerklärliches Verhalten auslösen.

Die Leitsymptome für Schizophrenie sind (nach ICD-10):

  1. Gedankenlautwerden, -eingebung, -entzug, -ausbreitung.
  2. Kontroll- oder Beeinflussungswahn; das Gefühl, Körperbewegungen, Gedanken, Tätigkeiten oder Empfindungen seien fremdgesteuert; Wahnwahrnehmungen.
  3. Kommentierende oder dialogische Stimmen.
  4. Anhaltender, kulturell unangemessener oder völlig unrealistischer Wahn.
  5. Anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität.
  6. Gedankenabreißen oder -einschiebungen in den Gedankenfluss.
  7. Symptome wie Erregung, Haltungsstereotypien, Negativismus oder Stupor (Erstarrung).
  8. Negative Symptome wie auffällige Apathie (Teilnahmslosigkeit), Sprachverarmung, verflachter oder inadäquater Affekt (Gemütsbewegung).

(Verändert nach)3

Die Symptome, unter denen Menschen mit Schizophrenie leiden, lassen sich in folgende Gruppen einteilen:

1. Positivsymptome

Symptome der Schizophrenie: Positivsymptome

In der akuten Phase der Schizophrenie stehen Symptome im Vordergrund, die nur durch die Erkrankung auftreten, also „hinzugefügt“ sind (daher „positiv“). Hierzu gehören zum Beispiel Halluzinationen und Verfolgungswahn. Meist können die Betroffenen in dieser Phase selbst nicht erkennen, dass Sie krank sind.

2. Negativsymptome

Symptome der Schizophrenie: Negativsymptome

Während der chronischen Phase der Schizophrenie überwiegt das Fehlen oder die Verminderung bestimmter psychischer und emotionaler Funktionen. Das sind die so genannten Negativ- oder „Minus“-Symptome (weil etwas fehlt), zum Beispiel: sozialer Rückzug, abnehmende Interessen, Antriebslosigkeit und Vernachlässigung des Äußeren.

3. Kognitive Symptome

Symptome der Schizophrenie: kognitive Symptome

Menschen mit Schizophrenie zeigen auch Beeinträchtigungen der kognitiven Funktionen, wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Konzentration. Gerade während einer akuten Phase erscheint das Denken zerfahren und für Außenstehende nicht nachvollziehbar. Häufig sind dann auch Sprache und Satzbau gestört oder es kommen Wortneubildungen (Neologismen) vor.

     

    Diese Symptomliste ist natürlich sehr abstrakt und die Symptome sind in der Realität individuell sehr unterschiedlich. Jeder Betroffene – ob Patient oder Angehöriger – macht seine eigenen Erfahrungen mit der Erkrankung.

    Ursachen der Schizophrenie

    Es gibt keine bekannte Hauptursache für die Schizophrenie. Wie bei anderen häufigen chronischen Erkrankungen, wie etwa Herz-Kreislauferkrankungen, geht man davon aus, dass diverse Faktoren zusammenspielen und zur Entstehung beitragen.

    Familien-, Adoptions- und Zwillingsstudien weisen darauf hin, dass die Anfälligkeit, für Schizophrenie zumindest zum Teil auf genetischer Veranlagung beruht. So nimmt die Wahrscheinlichkeit an Schizophrenie zu erkranken, mit steigendem Verwandtschaftsgrad zum Erkrankten zu. Sind beide Eltern an Schizophrenie erkrankt, liegt das Schizophrenie-Risiko für ihr Kind bei ca. 40%. Auch bei Zwillingen ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass beide Geschwister erkrankt sind: sie liegt bei zweieiigen Zwillingen bei ca. 15%, bei eineiigen Zwillingen bei 50%.4

    Dass dieser Wert bei eineiigen Zwillingen zwar hoch ist, aber nicht 100% beträgt, zeigt aber auch, dass die genetischen Faktoren nicht die alleinige Ursache für Schizophrenie sein können. Vermutlich trägt auch nicht ein Gen, sondern eine Vielzahl unabhängiger Mutationen zur Entstehung bei.5

    Vererbung spielt auch nicht die wichtigste Rolle bei der Entstehung der Schizophrenie. So sind bei 80% der Schizophrenie-Patienten keine weiteren Erkrankungsfälle in der Familie bekannt.6 Daraus schließt man, dass „ein Zusammenspiel von unterschiedlichen Faktoren (Genetik, Umweltfaktoren, biographische Faktoren und viele mehr)“6 bei der Entstehung und Entwicklung einer Schizophrenie eine Rolle spielen.

    Schizophrenie durch Cannabis oder andere Drogen?

    Die Frage, ob Cannabis und andere Rauschdrogen mit psychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenie in Zusammenhang stehen, wird seit Jahren heiß diskutiert. Bisher war man sich einig, dass zumindest Cannabiskonsum das Psychose-Risiko erhöht. Der Effekt schien jedoch statistisch relativ gering zu sein und hauptsächlich Personen zu betreffen, bei denen das Psychose-Risiko bereits erhöht war.

    Nun liegt eine der größten Studien zu dieser Frage vor, in der die Daten von mehr als 3 Millionen Personen enthalten sind. Dänische Wissenschaftler um Prof. Merete Nordentoft analysierten insgesamt mehr als 200.000 Fälle von Drogenmissbrauch und über 21.000 Schizophrenie-Diagnosen.

    Wie die Studie ergab, erhöhte der Missbrauch einer Substanz tatsächlich das Risiko einer Schizophrenie, und zwar wie folgt:

    • Cannabis: 5,2-fach
    • Alkohol: 3,4-fach
    • Halluzinogene: 1,9-fach
    • Beruhigungsmittel: 1,7-fach
    • Amphetamine: 1,24-fach

    Die Autoren folgerten: "Unsere Ergebnisse belegen einen signifikanten Zusammenhang zwischen nahezu jeder Art von Drogenmissbrauch und einem erhöhten Risiko, später an Schizophrenie zu erkranken." (Übersetzung des Autors)7

    Allerdings ist es unmöglich zu beweisen, ob der Drogenmissbrauch die Schizophrenie verursacht oder umgekehrt. Es besteht auch die Möglichkeit, dass jemand, der für Schizophrenie anfälliger ist, eher Drogen missbraucht, oder dass Personen sowohl für die Entwicklung von Schizophrenie als auch für Drogenmissbrauch anfälliger sind.7

    Chemische und neurobiologische Veränderungen im Gehirn durch Schizophrenie

    Wir verstehen noch nicht wesentliche biochemische Prozesse im Gehirn, die für die Schizophrenie ausschlaggebend sind, aber allmählich beginnt sich dies auch mithilfe neuer Techniken zu lüften. Neurowissenschaftler haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte bei Verständnis und Management der Schizophrenie gemacht.8

    Die meisten Experten gehen heute davon aus, dass bei einem Großteil der an Schizophrenie erkrankten Patienten eine Dysregulation der dopaminergen Neurotransmission vorliegt. Neben einer gesteigerten Dopamin-Synthese und Aufnahmekapazität wurde in den Basalganglien auch eine vermehrte Dopaminausschüttung nach Verabreichung von geringen Mengen von Amphetamin gemessen. Dies könnte die Folge einer natürlichen Sensibilisierung des Dopaminsystems bei der Schizophrenie sein. Zwar gibt es auch Hinweise auf Veränderungen in der glutamatergen und serotonergen Neurotransmission bei der Schizophrenie; die entsprechenden Hypothesen sind im Gegensatz zur Dopamintheorie jedoch kaum durch wissenschaftliche Evidenz belegt. Unklar sind derzeit noch die pathogenetischen Faktoren, die zur Störung der dopaminergen Transmission führen.9

    Unter einer „Dysregulation der dopaminergen Neurotransmission“ versteht man ein Ungleichgewicht bestimmter Neurotransmitter. Das sind chemischen Substanzen, so genannte Botenstoffe, mit denen die Nervenzellen (untereinander und mit anderen Zellen) Signale übertragen. Das Ungleichgewicht dieser Neurotransmitter verursacht Störungen der Informationsverarbeitung im Gehirn. Betrifft diese Störung den Neurotransmitter Dopamin und damit das dopaminerge System, kann das die Symptome der Schizophrenie hervorrufen.6

    Janssen bietet eine Sammlung digitaler Krankheitsbilder mit Animationen, die die chemischen Reaktionen im Gehirn illustrieren. Mit diesem Service kann der Arzt seinen Patienten komplexe biochemische Vorgänge veranschaulichen. Angehörige des Fachkreises finden das Angebot unter „Wenn Sie zum medizinischen Fachkreis gehören, dann loggen Sie sich bitte hier ein“

    Neben diesen Stoffwechselstörungen im Gehirn weisen Betroffene im Vergleich zum Durchschnitt auch Veränderungen und Besonderheiten in einzelnen Gehirnstrukturen auf, beispielsweise in den Regionen, die für emotionales Verhalten verantwortlich sind.

    Den Menschen im Blick, nicht nur die Krankheit

    Um die Lebensqualität der Menschen mit Schizophrenie zu verbessern, setzen wir bei Janssen auf die Erforschung und Entwicklung innovativer Medikamente. Zwei zählen zum Goldstandard auf der WHO-Liste der unverzichtbaren Arzneimittel.

    Antipsychotika sind ein wichtiger Baustein in den Maßnahmen der Schizophrenie. Unser Fokus liegt aber auf einer ganzheitlich-integrativen Behandlung. Das bedeutet, ein von Schizophrenie Betroffener benötigt neben Arzneimitteln noch weitere Unterstützung und Hilfen. Durch all diese Maßnahmen könnte die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen verbessert und Rückfälle reduziert werden.

    Mit dieser Motivation hat Janssen verschiedene online-Projekte für Ärzte, Patienten und therapeutische Teams ins Leben gerufen, die wir hier kurz vorstellen möchten. (Für nähere Informationen klicken Sie bitte auf den jeweiligen Link):

     

    Die Webseite Kompass Therapiebegleiter

    Das Therapiekonzept unterstützt medizinische Fachkräfte bei der Behandlung von Menschen mit Schizophrenie. Es besteht aus fünf Modulen: Therapiezielplanung, Psychoedukation, Therapeuten-Patienten-Kommunikation, Therapiekontinuität und Metakognitives Training. Außerdem enthält das Angebot Schulungsvideos, Besprechungsunterlagen, Checklisten und mehr.


    Hier finden Patienten, Angehörige und Interessierte leicht verständliche und fachlich fundierte Informationen zum Thema Psychosen. Inhalt, Aufbau und Ansprache sind speziell für Betroffene und deren Angehörige konzipiert.

    Die Webseite Psychose Wissen


    Die Webseite Schizophrenie 24x7

    Dieses Internetangebot informiert Patienten und Angehörige über wesentliche Aspekte der Schizophrenie (Ursachen, Symptome, Therapie etc.). Außerdem gibt die Webseite Tipps und Unterstützung zum Umgang mit der Erkrankung.

    Maßnahmen bei Schizophrenie

    Die Folgen der Schizophrenie können für die Betroffenen schwerwiegend sein und können, wenn sie unbehandelt bleiben, das Alltagsleben stark beeinträchtigen. Schizophrenie ist zwar nicht heilbar, lässt sich aber mit entsprechenden Therapieansätzen in vielen Fällen gut behandeln, so dass die Betroffenen heute ein annähernd normales Leben führen können.

    Die Forschung der letzten Jahre hat außerdem gezeigt: Schizophrenie kommt nicht plötzlich über Nacht, die Krankheit entwickelt sich allmählich und je früher die Behandlung beginnt, desto besser ist die langfristige Prognose. So ist die Dauer der unbehandelten Erkrankung ein wichtiger Prädiktor für einen ungünstigen Verlauf, weswegen heute großer Wert auf Frühdiagnostik und Frühbehandlung gelegt wird.4

    „Weitere Informationen für den medizinischen Fachkreis finden Sie hier“

     

    Das könnte Sie auch interessieren

    Quellen

    1. Jason CS et al. An evaluation of variation in published estimates of schizophrenia prevalence from 1990─2013: a systematic literature review. BMC Psychiatry 2015;15:193. https://bmcpsychiatry.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12888-015-0578-7.
    2. Häfner H. et al. (2004) Onset and Early Course of Schizophrenia. In: Häfner H., Gattaz W.F. (eds) Search for the Causes of Schizophrenia. Springer, Berlin, Heidelberg.
    3. DGPPN (Hrsg.):  S3-Leitlinie Schizophrenie, Kurzfassung, 15.03.2019. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/038-009.htm
    4. Falkai P et al. (2016) Schizophrene Psychosen. In: Möller HJ., Laux G., Kapfhammer HP. (eds) Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg.
    5. Jones Hannah J et al. Phenotypic Manifestation of Genetic Risk for Schizophrenia During Adolescence in the General Population. AMA Psychiatry. 2016;73:221-228. doi:10.1001/jamapsychiatry.2015.305.
    6. Psychiater und Neurologen im Netz: Schizophrenie-Ursachen. https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosoma... (zuletzt besucht am 23.06.2019)
    7. Nielsen SM et al. Association between alcohol, cannabis, and other illicit substance abuse and risk of developing schizophrenia: a nationwide population based register study. Psychol Med. 2017; 47:1668-1677. doi: 10.1017/S0033291717000162.
    8. Millan MJ et al. Altering the course of schizophrenia: progress and perspectives. Nat Rev Drug Discov. 2016; 15:485-515. doi: 10.1038/nrd.2016.28.
    9. Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie. Biologische Grundlagen der Schizophrenie. https://oegpb.at/2018/05/28/biologische-grundlagen-der-schizophrenie/